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 5. Mai 2022   «Klingende Geschichten» 

Erster Teil

Geschichten mit Musik zu erzählen hatte seit jeher einen besonderen Reiz auf Komponistinnen und Komponisten aller Epochen. Die engste Verbindung von Wort und Musik ergibt sich natürlich beim Lied. Doch auch Musik ohne Worte kann wunderbar Geschichten erzählen. Und solche «Klingenden Geschichten» stehen im Zentrum am Eröffnungsabend des Confluence Musikfestes 2022. Ein humorvolles Eintauchen in diese Geschichten ermöglicht der bekannte Basler Kabarettist Michael Birkenmeier, der mit Sprachwitz virtuos durch den Abend führt.

Im ersten Teil ist Carl Reineckes überaus amüsante «Musik zu Andersens Märchen vom Schweinehirten» für Klavier zu 4 Händen zu hören. Der deutsche Romantiker hatte offensichtlich eine Affinität zu Märchen. So vertonte er auch Andersens «Die Wilden Schwäne» und Grimms «Aschenbrödel». Das charmante, doch leider selten aufgeführte Werk voller Humor und mit dem bekanntem Zitat «O Du lieber Augustin», begeistert jung und alt. Die einfühlsame Interpretation der beiden Ausnahmepianisten Yvonne Lang und ihrem Mann Marc Hunziker, erzählt von Michael Birkenmeier, lässt einen ganz eintauchen in diese zeitlose Geschichte. Zuvor aber ist ein nicht minder charmantes Werk zu hören, gewissermassen als Prélude oder als Eingang in die Märchen- und Kinderwelt: Robert Schumanns «Kinderball», op 130, für Klavier zu vier Händen.

Zweiter Teil

Eine klingende Geschichte erzählt auch die Suite für Klaviertrio des Schweizer Spätromantikers Paul Juon. Die ursprünglichen Satzbezeichnungen waren Melodia, Marionette, Intermezzo, Odaliske und Barbarentanz. In ihr spiegeln sich die Stationen seines bewegten Lebens. Russische Volksliedthemen sind ebenso zu hören wie mitreissende ungerade Tanzrhythmen des Orients. Geboren in Russland von Bündner Zuckerbäcker abstammend, kam er als Student nach Berlin. Nach dem Studium war er kurze Zeit Lehrer am Konservatorium in Baku (Aserbaidschan), bevor er vom berühmten Geiger Josef Joachim an die Berliner Hochschule berufen wurde. 1934 verliess er Deutschland und lebte die letzten Jahre seines Lebens in Vevey.

Ein schweres Schicksal lastet auf dem jüdischen Komponisten Carl Frühling, der 1937 völlig verarmt in Wien starb. Viele seiner Werke gelten als im 2. Weltkrieg verschollen. Dem gegenüber steht eine Geschichte voller Einsatz und Herzblut hinter seiner Wiederentdeckung und Förderung durch den britischen Cellisten Steven Isserlis in den letzten Jahren. Steven Isserlis ist durch einen befreundeten Klarinettisten auf den 1868 in Lemberg geborenen Komponisten und sein Klaviertrio aufmerksam gemacht worden. Begeistert von dieser Musik, liess ihn der Gedanke nicht mehr los, nach seinen verschollenen Werken, vor allem natürlich für Cello, zu suchen. Die Suche nach einer Cellosonate blieb bis heute erfolglos; doch mit seiner Aufnahme des Trios und zahlreichen Aufführungen wurde Carl Frühling bei Musikern und Publikum wieder vermehrt bekannt.

Carl Frühlings Klaviertrio, das es auch in einer Version für Klarinette gibt, sprudelt von Einfallsreichtum und wunderbar beschwingten Melodien. Aber da schwingt auch eine gewisse Wehmut mit über das Schicksal des Komponisten und den immensen Verlust seiner Werke, von denen nur wenige die Nazizeit überlebten. Es erklingt an diesem Abend mit Daniel Dodds, Violine und Yvonne Lang, Klavier und Pi-Chin Chien, Violoncello.

19:30 Uhr

«Klingende Geschichten» – Teil 1

Nach einem «Prelude», dem «Kinderball» op. 130 von Robert Schumann, erklingt das durch Carl Reinecke musikalisch grandios umgesetzte Märchen vom Schweinehirten von Christian Andersen, virtuos erzählt durch den Kabarettisten und Sprachkünstler Michael Birkenmeier.

Mit dem Klavierduo Yvonne Lang & Marc Hunziker – Klavier zu 4 Händen.

«Klingende Geschichten» – Teil 2

Bilder von russischen Landschaften und ausgelassenen Tanzfesten erklingen bei Paul Juons Suite op. 89 für Violine, Violoncello und KlavierEine traurige und eine hoffnungsvolle Geschichte steht in Verbindung mit dem Werk Carl Frühlings. Fulminantes Finale des Abends ist sein wunderbares und selten gespieltes Klaviertrio, gespielt von Daniel Dodds – Violine, Pi-Chin Chien – Violoncello und Yvonne Lang – Klavier. Michael Birkenmeier führt als Conferancier durch den Abend.